Mit einer zweimotorigen Maschine der Vietnam Airlines (vom Zustand der Maschine und von der harten Landung her koennte es auch eine Maschine der Aeroflot sein!) fliegen wir ueber das Mekongdelta nach Saigon. Entgegen frueheren Erfahrungen klappt diesmal alles, was wir vorher organisiert haben. Am Flughafen holt uns jemand vom Guesthouse ab und wir koennen die zahlreichen Schlepper anderer Guesthouses abwinken.
Wir nutzen die Zeit in Saigon fuer den Besuch des Kriegsmuseums . Sehr lehrreich, aber auch sehr bedrueckend. Vor dem Eingang stehen erbeutete amerikanische Panzer, Flugzeuge und Hubschrauber. Im Gebaeude sind viele Bilder ueber die Schrecken des Krieges aufgehaengt. Z.B. das Bild eines Napalmangriffes mit dem nackten, schreienden Maedchen im Vorder- und schwer bewaffneten amerikanischen Soldaten im Hintergrund. Oder Bilder ueber das Massaker von My Lai, 1968, als ein amerikanisches Kommandounternehmen Maenner, Frauen und Kinder (auch solche, die erst ein paar Monate alt waren) zu hunderten getoetet haben. Genau genommen waren es "507 Menschen, darunter 173 Kinder, 76 Kleinkinder, 182 Frauen und 60 Männer über sechzig Jahre (Quelle Tagesschau der ARD)".
Nun, das Ganze ist sehr propagandistisch aufgemacht. Es werden ausschliesslich die Greueltaten der einen Seite gezeigt, wobei auf Bildmaterial der Amerikaner zurueckgegriffen wird. Dass die Vietcongsoldaten ganz genau so getoetet und gefoltert haben, wird hier nicht gezeigt. Das ist aber auch zweitrangig. Es geht um die Darstellung des Krieges und der damit verbundenen Schrecken. Ich denke, wenn man solche Bilder sieht (z.B. vier Soldaten, einige grinsend, einer eine Zigarette rauchend, wie sie einen vietnamesischen Zivilisten festhalten und foltern) sollte das selbst die hartgesottensten vom Sinn eines Krieges abhalten. Der Museumsbesuch hat uns sehr nachdenklich gemacht und es ist gut, dass es sowas gibt. Aber es sollten eben auch die Bushs, Putins, Netanyahus, Achmadinejads, Bin Ladens und wie sie alle heissen genauso sehen. Sie sollten sehen, was Bomben, Napalm und Minen anrichten. Propaganda hin oder her. Das Museum ist auf jeden Fall besuchenswert.
Wieder im Guesthouse von Madam Cuc treffen wir die deutsche Familie, die wir schon in Phu Quoc kennenlernten, wieder und haben zwei lustige Abende mit Elke, Christoph und Lysanne (ist das richtig so geschrieben??).
Montag, 2. März 2009
Donnerstag, 19. Februar 2009
21. 2. - 25. 2. Phu Quoc
In den letzten Tagen haben wir uns via Internet etwas ueber die Insel Phu Quoc erkundigt. Sie wird als "eine Perle Asiens" oder als "Trauminsel" bezeichnet. Unsere Erwartungen waren entsprechend hoch. Leider koennen die Erwartungen den eigenen Eindruecken nicht ganz stand halten. Es ist eine schoene Insel aber auch ein Paradies mit Schattenseiten. Wir haben den Eindruck, dass der Tourismus schneller waechst, als die Menschen hier mitwachsen koennen. Die Einheimischen sind alle sehr freundlich, selbst die Strandverkaeufer sind angenehm freundlich und bleiben fuer einen Schwatz stehen, auch wenn man ihr Angebot fuer z.B. einen Schnorchelausflug nicht annimmt. Das Wasser ist nur an wenigen Tagen klar (entgegen dem, was man sonst darueber lesen kann) , an manchen Tagen wird Muell angespuelt und man sieht ueberall Plastiktueten (aehnlich wie in Mui Ne, nur nicht so schlimm). Und das Preisniveau ist recht hoch, ohne dass so furchtbar viel mehr geboten wird, als an anderen Orten - noch so ein Nachteil.
Aber wir sind ja nicht hier, um das Negative zu sehen. So geniessen wir doch das Strandleben. Tatsaechlich machen wir nichts anderes. Keine Inselbesichtigung, keine Schnorcheltour, nicht einmal in den nahe gelegenen Ort gehen wir. "Just relax" ist fuer die paar Tage unsere Devise. Man glaubt es kaum, aber reisen ist anstrengend. Alle paar Tage ein Ortswechsel, immer wieder die Weiterreise organisieren, jeden Tag fast alles verhandeln, von der Taxi- oder Tuk Tuk-Fahrt bis zur Hotelunterkunft, von der mango auf dem Markt bis zum Trinkwasser oder der Cola im Minimart. Und dann lernt man auch so viele Leute kennen, manche nur fluechtig, oft nur ein kleiner Schwatz, mit manchen trifft man sich fuer ein paar Tage. So lernen wir hier u.a. zwei nette Familien kennen, aus Daenemark und aus Deutschland und Medea und Timon haben wieder mal andere Kinder zum Spielen.

so schoen kann es sein
Aber wir sind ja nicht hier, um das Negative zu sehen. So geniessen wir doch das Strandleben. Tatsaechlich machen wir nichts anderes. Keine Inselbesichtigung, keine Schnorcheltour, nicht einmal in den nahe gelegenen Ort gehen wir. "Just relax" ist fuer die paar Tage unsere Devise. Man glaubt es kaum, aber reisen ist anstrengend. Alle paar Tage ein Ortswechsel, immer wieder die Weiterreise organisieren, jeden Tag fast alles verhandeln, von der Taxi- oder Tuk Tuk-Fahrt bis zur Hotelunterkunft, von der mango auf dem Markt bis zum Trinkwasser oder der Cola im Minimart. Und dann lernt man auch so viele Leute kennen, manche nur fluechtig, oft nur ein kleiner Schwatz, mit manchen trifft man sich fuer ein paar Tage. So lernen wir hier u.a. zwei nette Familien kennen, aus Daenemark und aus Deutschland und Medea und Timon haben wieder mal andere Kinder zum Spielen.
so schoen kann es sein
Von dem daenischen Paar ernten wir Kopfschuetteln als wir erzaehlen, dass es bei uns einfacher ist, die Kinder fuer ein ganzes Jahr aus der Schule zu nehmen, als fuer 2 bis 3 Monate. In Daenemark kann man - wie uebrigens auch in Australien oder Neuseeland - Kinder (auch Aeltere) voellig problemlos fuer ein paar Wochen oder auch 3 Monate aus der Schule nehmen. Die Eltern muessen allerdings den Unterricht gewaehrleisten, was ihnen aber einfach gemacht wird. Alle benoetigten Unterlagen koennen sie im Internet herunterladen. Ausserdem wird allgemein die Haltung vertreten, dass die Kinder auf einer laengeren Reise Erfahrungen machen, die ihnen die Schule nicht vermitteln kann. Waere schoen, wenn das in der Schweiz auch moeglich waere. In Daenemark kommt noch hinzu, dass die Eltern pro Kind einmal innerhalb der ersten 9 Lebensjahre des Kindes fuer 3 Monate frei nehmen koennen und erst noch Geld bekommen in dieser Zeit; naemlich etwa 60% des Lohnes. Etwas neidisch kann man da schon werden, wenn man das mit der Unterstuetzung von Familien in der Schweiz vergleicht. Ein furchtbar armes Land ist es ja nicht. Geld wird also da sein. Es ist nur eine Frage der Verteilung - wie so oft!!
Die Tage, auch wenn es solche zum Faulenzen sind, fliegen dahin schneller als man denken kann. Der Tagestrott - schlafen, bis es zu warm wird, aufstehen, fruehstuecken, Strand, mit Leuten ins Gespraech kommen, essen, Strand, ein paar Fruechte von einer netten Strandverkaeuferin beziehen, Billard spielen, und natuerlich viel lesen - tut uns gut.
Und dann ist es auch schon wieder Zeit, nach Saigon zurueck zu reisen.
Und dann ist es auch schon wieder Zeit, nach Saigon zurueck zu reisen.
19. / 20. 2. Saigon
Nach ein paar Stunden Busfahrt erreichen wir Saigon. Eine riesen Stadt, laut, laermig, geschaeftig und drueckend heiss. In Saigon wollen wir nicht lange bleiben. Allerdings sind die alten, im Kolonialstil erbauten Hotels wie das Grand Hotel oder das Majestic, in welchen Persoenlichkeiten wie Graham Green einige Zeit verbrachten, sehr schoen zum ansehen. Nach einem Tag Sightseeing - Auto- und Mopedfahrer hupen, Rikschafahrer fragen staendig "hello my friend, where are you going" und an jedem 2. Restaurant wird man gebeten, doch dort hinein zu gehen - sind wir etwas erledigt. Das Leben findet hier auch wieder ueberwiegend auf der Strasse statt. Kinder rennen am Strassenrand entlang und spielen fangen, waehrend Mopeds vorbeiflitzen und Autofahrer hupen. Nichts fuer westliches Sicherheitsdenken. Ein Trottoir hat es auch nicht allen Strassen und dort, wo eines ist wird es oft als Parkplatz fuer Rikschas, Mopeds und Autos, als Verkaufsstand fuer Strassenverkaeufer oder als erweitertes Wohn- bzw. Esszimmer zweckentfremdet.
Am 21. Februar fliegen wir auf die Insel Phu Quoc, ganz im Sueden von Vietnam.
Am 21. Februar fliegen wir auf die Insel Phu Quoc, ganz im Sueden von Vietnam.
11. - 18.2. Mui Ne
Von Hue aus fahren wir in 19 Stunden mit dem Nachtzug weiter nach Sueden nach Muong Man, dem naechstgelegenen Bahnhof von Mui Ne. Die Fahrt ist recht angenehm und wir vertreiben uns mit lesen, Karten spielen und doesen die Zeit. Draussen ist es grau in grau. Es hat nur wenig Weissnasen im Zug, wahrscheinlich fahren die meisten mit einem der Open - Tour - Bus - Anbieter von Nord nach Sued oder umgekehrt. Wir haben unterwegs aber nicht nur Gutes davon gehoert; manchmal sind die Busse voll oder fahren nicht oder man muss fuer eine bereits gebuchte Strecke noch mal zahlen. Und Zugreisen macht uns ja Spass. Wir kommen um 5:20 am Morgen in Muong Man an. Eine unguenstige Zeit, um den Fahrpreis fuer die ca. 30 Km bis Mui Ne zu druecken. Alle Taxis, die da sind oder kommen fahren mit einheimischen Fahrgaesten weg oder werden von "unserem" Taxifahrer verscheucht, der sich bereits auf uns eingeschossen hat und 500 000 Dong fuer die Fahrt verlangt. Viel zu viel aber verhandle mal um 5:30 am Morgen! Wir brauchen fast eine Stunde, um ihn auf 400 000 runter zu handeln. Zaehneknirschend steigen wir ein, zaehneknirschend faehrt er mit uns los.

Die Tage in Mui Ne verbringen wir mit faulenzen, lesen, am Strand liegen


und einem Ausflug in die umliegenden Sandduenen.


Und natuerlich lernen wir auch viele Leute kennen. Chatrina trifft einen Bekannten, den sie vor 14 Jahren in der Schweiz das letzte mal getroffen hat. Mit ihm, seiner Frau und einem befreundeten Paerchen verbringen wir einige Abende.
Mit einem anderen Schweizer unternehmen wir einen Ausflug zu den Sandduenen

und ins Fischerdorf Mui Ne.
So laesst es sich eine Zeit lang aushalten. Allerdings ist es in Mui Ne oft sehr windig. Das macht den Ort zu einem Kite-Surf- und Wind - Surf - Paradies. Fuer reine Badeurlauber nicht immer das Richtige aber OK, um ein paar Tage zu relaxen.
Neben unglaublich vielen Moskitos hat es hier auch unglaublich viele Russen :-). Manche Restaurants sind nur auf russisch angeschrieben und das Swiss Village hat nicht mehr viel mit Swiss zu tun. Es gehoert einem Russen und auf der Karte gibt es Krimsekt und russischen Salat.
Wie so viele Paradiese hat auch dieses seine Schattenseiten. An manchen Tagen ist der Strand so verdreckt, dass man keinen Schritt ins Wasser unternehmen kann, ohne auf eine Plastiktuete zu treten (zu schwimmen) oder auf sonstigen Unrat zu stossen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass der Tourismus hier viel zu schnell anlaeuft, und die Menschen damit gar nicht recht Schritt halten koennen.
Vielleicht noch etwas Geschichtliches. Bei dem oberen Bild mit dem Jeep steht noch USA drauf. Der Jeep ist ein Beutegut aus Kriegszeiten. Einer ablehenden Haltung gegenueber Amerikanern oder den USA begegnet man aber kaum. Auf den Waschbecken in unseren Bungalows steht oefters "American Standard" drauf und Amerikaner werden herzlich begruesst.
Die Tage in Mui Ne verbringen wir mit faulenzen, lesen, am Strand liegen
und einem Ausflug in die umliegenden Sandduenen.
Und natuerlich lernen wir auch viele Leute kennen. Chatrina trifft einen Bekannten, den sie vor 14 Jahren in der Schweiz das letzte mal getroffen hat. Mit ihm, seiner Frau und einem befreundeten Paerchen verbringen wir einige Abende.
Mit einem anderen Schweizer unternehmen wir einen Ausflug zu den Sandduenen
und ins Fischerdorf Mui Ne.
So laesst es sich eine Zeit lang aushalten. Allerdings ist es in Mui Ne oft sehr windig. Das macht den Ort zu einem Kite-Surf- und Wind - Surf - Paradies. Fuer reine Badeurlauber nicht immer das Richtige aber OK, um ein paar Tage zu relaxen.
Neben unglaublich vielen Moskitos hat es hier auch unglaublich viele Russen :-). Manche Restaurants sind nur auf russisch angeschrieben und das Swiss Village hat nicht mehr viel mit Swiss zu tun. Es gehoert einem Russen und auf der Karte gibt es Krimsekt und russischen Salat.
Wie so viele Paradiese hat auch dieses seine Schattenseiten. An manchen Tagen ist der Strand so verdreckt, dass man keinen Schritt ins Wasser unternehmen kann, ohne auf eine Plastiktuete zu treten (zu schwimmen) oder auf sonstigen Unrat zu stossen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass der Tourismus hier viel zu schnell anlaeuft, und die Menschen damit gar nicht recht Schritt halten koennen.
Vielleicht noch etwas Geschichtliches. Bei dem oberen Bild mit dem Jeep steht noch USA drauf. Der Jeep ist ein Beutegut aus Kriegszeiten. Einer ablehenden Haltung gegenueber Amerikanern oder den USA begegnet man aber kaum. Auf den Waschbecken in unseren Bungalows steht oefters "American Standard" drauf und Amerikaner werden herzlich begruesst.
7.2. - 10.2. Hue
Uns zieht es langsam aber sicher Richtung Sueden, da, wo es warm ist. Mit dem Nachtzug fahren wir von Hanoi nach Hue, etwa in der Mitte von Vietnam an einer Biegung des Parfumflusses (Fluss der Wohlgerueche). Im Schlafwagen hat es nicht nur keinen Platz mehr. Die Schlafabteile werden z.Zt. wegen des vietnamesischen Neujahrs doppelt belegt. Wir hatten wenig Lust auf die Aussicht, zu acht in einem Viererabteil zu "liegen". Horrorgeschichten ueber das Zugreisen in Vietnam (laut, eiskalt und alle rauchen) haben uns zusaetzlich verunsichert. Also fahren wir in einem Liegewagen. Kein Luxus, es trifft aber auch keine der Horrorgeschichten zu. Es ist eher zu warm, die Vietnamesen gehen zum Rauchen in die Bereiche zwischen zwei Waggons und es ist auch nicht laut. Allerdings laeuft der TV lange und ich amuesiere mich ueber eine Zugangestellte, die sich so streng und hochnaesig gibt, dass sie den frueheren uniformierten DDR-Grenzfrauen alle Ehre gemacht haette.
Am naechsten Morgen quartieren wir uns im Binh Minh Guesthouse ein. Hue ist die alte Kaiserstadt. 13 Kaiser der Nguyen-Dynastie regierten hier nach chinesischer Praegung, bis die Unterwerfung unter die Kolonialmacht Frankreich erfolgte. Ab ca. 1845 regierten die Kaiser unter Frankreichs Gnaden. Am Ende der Wirren des zweiten Weltkriegs durfte der letzte Kaiser die Macht an Ho Chi Minh abgeben (Kaisertum und Kommunismus vertragen sich wohl nicht!).
Innerhalb einer Zitadelle liegt die Kaisersatdt, welche wiederum die Purpurne (verbotene) Stadt umgibt, die ausschliesslich dem Kaiser und seiner Familie vorbehalten war. Verboten war sie allen Maennern (ausser natuerlich dem Kaiser). Daher waren alle Diener und die Palastwache Eunuchen (aua). Neben der Familie lebten hier nur noch die Konkubinen des Kaisers, verteilt auf fuenf Pavillons. Auch nicht schlecht, selbst wenn man unter Frankreichs Gnaden regiert.
Innerhalb einer Zitadelle liegt die Kaisersatdt, welche wiederum die Purpurne (verbotene) Stadt umgibt, die ausschliesslich dem Kaiser und seiner Familie vorbehalten war. Verboten war sie allen Maennern (ausser natuerlich dem Kaiser). Daher waren alle Diener und die Palastwache Eunuchen (aua). Neben der Familie lebten hier nur noch die Konkubinen des Kaisers, verteilt auf fuenf Pavillons. Auch nicht schlecht, selbst wenn man unter Frankreichs Gnaden regiert.
Kaiserstadt, Purpurstadt und die in der Umgebung verstreuten Graeber der verstorbenen Kaiser stehen auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes. Alles sehr schoen zum anschauen und auf jeden Fall einen Besuch wert. Wie an vielen Orten in Vietnam begegnet man auch hier der juengeren Vergangenheit. Waeherend des Vietnamkriegs wurde Hue schwer beschaedigt. Die Gebaeude in der Kaiserstadt und Purpurstadt wurden noch nicht alle restauriert.
<-- Gebet von Moenchen in einer nahegelegenen Pagode
Gerade rechtzeitig, als das Wetter wieder schlechter wird, machen wir uns auf zu unserer zweiten langen Zugfahrt. Von Hue aus geht es weiter nach Sueden, nach Mui Ne.
Sonntag, 1. Februar 2009
28.1. - 6.2. 2009 - Hanoi
Wir haben schon durch einige Reisebekanntschaften unterwegs etwas ueber Vietnam und Hanoi erfahren. Daher waren wir vorgewarnt, dass Hanoi laut, hektisch und verkehrsreich ist und dass es am Anfang fuer Westler schwierig ist, schon nur eine Strasse zu ueberqueren. Der erste Eindruck war nicht besonders ermunternd. Beim Landeanflug verbirgt sich Hanoi hinter einer Nebeldecke und es ist 15 Grad kalt. Ja, auch wir frieren! Das ist wie gefuehlte 5 Grad, wenn man den Winter nicht mehr gewohnt ist!
In der Ankunftshalle hebe ich erst mal Geld ab und wir gehoeren einmal mehr zu den Millionaeren. Fuer 1 US-Dollar erhaelt man 17200 vietnamesische Dong. Der Fahrer des Hotels, der uns abholen sollte, kommt eine halbe Stunde verspaetet (ist fuer diesen Teil von Asien anscheinend noch im Rahmen), seine Begruessung besteht darin, uns anzuhusten. Die halbstuendige Autofahrt ins Zentrum entpuppt sich als erste gute Einfuehrung. Es wird gerast wie auf dem Nuerburgring, Lichthupe und normale Hupe sind die wichtigsten Instrumente (alle paar Sekunden), entgegenkommende Fahrzeuge interessieren nur, wenn diese groesser sind und - natuerlich, ob von links oder rechts ueberholt wird, spielt keine Rolle. Wer unbedingt ein Magengeschwuer bekommen will, sollte sich eine Zeit lang als Taxifahrer in Hanoi anstellen lassen.

In der Ankunftshalle hebe ich erst mal Geld ab und wir gehoeren einmal mehr zu den Millionaeren. Fuer 1 US-Dollar erhaelt man 17200 vietnamesische Dong. Der Fahrer des Hotels, der uns abholen sollte, kommt eine halbe Stunde verspaetet (ist fuer diesen Teil von Asien anscheinend noch im Rahmen), seine Begruessung besteht darin, uns anzuhusten. Die halbstuendige Autofahrt ins Zentrum entpuppt sich als erste gute Einfuehrung. Es wird gerast wie auf dem Nuerburgring, Lichthupe und normale Hupe sind die wichtigsten Instrumente (alle paar Sekunden), entgegenkommende Fahrzeuge interessieren nur, wenn diese groesser sind und - natuerlich, ob von links oder rechts ueberholt wird, spielt keine Rolle. Wer unbedingt ein Magengeschwuer bekommen will, sollte sich eine Zeit lang als Taxifahrer in Hanoi anstellen lassen.
<-- Verkehrssituation in einer Seitenstrasse
Das Hotel entpuppt sich als Zumutung und einmal mehr erweist sich unser Reisefuehrer (diesmal vom reise know-how-verlag) als schlechter Ratgeber. Wir gehen selber auf die Suche und finden ein paar Ecken weiter ein annehmbares Hotel. Inzwischen hat sich der erste Eindruck auch gebessert. Waehrend Chatrina auf Hotelsuche war, habe ich mit den Kindern in einer Gasse gewartet. Dabei wurden wir mit Bonbons und warmen Tee eingedeckt, einfach so. So einfach und angenehm kann Gastfreundschaft sein.
So, und jetzt rein ins Stadtgetuemmel. Es ist tatsaechlich laut und laermig, an manchen Kreuzungen koennte man eine ganze Stunde stehen bleiben, wenn man warten will, bis genug Platz ist, um die Strasse zu ueberqueren. Nach ein bisschen schauen, wie das die Einheimischen machen und ein paar Anlaufversuchen gelingt es uns dann recht gut. Es kostet einfach etwas viel Vertrauen in die anderen Verkehrsteilnehmer, dass sie wirklich um einen herum fahren. Niemand haelt an. Die Ampel ist an manchen (nicht bei allen) Kreuzungen nur ein netter Farbtupfer, Einbahnstrassen interessieren auch nicht alle.
So erreichen wir irgendwann den Hoam Kiem See, das Herz der Altstadt mit dem Jadebergtempel. Hier werden drei Maenner verehrt: ein Mongolenbezwinger aus dem Mittelalter, der Schutzherr der Literatur und ein Patron der Aerzte (Krieg, Geist und Gesundheit: ist auch noch eine interessante Reihenfolge!). Wir schlendern durch die Altstadt, wo sich das Leben zum grossen Teil auf der Strasse abspielt; Kinder spielen, Familien essen auf Matten auf dem Trottoir, es wird auf der Strasse abgewaschen und man schaut im Vorbeigehen in Kuechen, Schlafzimmer und Wohnstuben hinein.
An der St. Josephs Kathedrale wird einmal mehr deutlich, was Kolonianismus bedeutet(e). Ein paar Jahrzehnte lang durften ja die Franzosen in Indochina als Kolonialherren auftreten (eben, "la grande nation" und so). Dabei vergassen sie auch nicht, ein paar Symbole der Macht zu installieren. In diesem Fall wurde eine grosse Kathedrale gebaut. Aber nicht irgendwo, sondern man liess die damals groesste und bedeutenste Pagode (religioeser Tempel) Hanois schleifen. Die Kirche im Dienste des Kolonialismus zur Demuetigung der Unterjochten!
In einem in-cafe nahe der Kathedrale, in das eher junge Leute einkehren, faellt mir ein interessantes Plakat auf. Es weist auf 2 wichtige Daten aus der juengeren vietnamesischen Geschichte hin, naemlich 1954, dem Sieg der vietnamesischen Befreiungsarmee ueber die franzoesischen Kolonialherren in der Schlacht bei Dienh Bin Puh und den Sieg des Vietcong ueber die Amerikaner 1975. Die meisten Gaeste des Cafes waren da wohl noch gar nicht auf der Welt.
Wir sind einmal mehr echte Glueckspilze. Noch nie haben wir in so kurer Zeit so oft Neujahr gefeiert. Diesmal ist es das vietnamesiche und hier heisst es Tet-Fest. Einigen ist das vietnamesiche Tet-Fest vielleicht im Zusammenhang mit der Tet-Offensive des Vietcong waehrend des Vietnamkrieges noch ein Begriff. 1968 startete der Vietcong eine breit angelegte Offensive, womit die Amerikaner immer mehr zurueckgedraengt wurden, bis ihr letzter Hubschrauber 1975 die amerikanische Botschaft in Saigon verliess. OK, soweit so gut mit Geschichte. Wir sind im Hanoi von 2009. Neben den Tet-Festlichkeiten zum vietnamesischen Neujahr besuchen wir den Literaturtempel, den ein vietnamesischer Kaiser 1070 zu ehren des Konfuzius errichten liess (die enge Verbundenheit mit China wird hier deutlich). Da aber eben das Neujahr gefeiert wird, ist der Tempel total ueberfuellt. Vietnam stand lange unter der Herrschaft der Chinesen, gleichzeitig sind viele Vietnamesen Buddhisten. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Buddhismus und Konfuzianismus. Dadurch sehen die Tempel hier etwas anders aus, als in Thailand und Laos, eben chinesisch beeinflusst.
So, und jetzt rein ins Stadtgetuemmel. Es ist tatsaechlich laut und laermig, an manchen Kreuzungen koennte man eine ganze Stunde stehen bleiben, wenn man warten will, bis genug Platz ist, um die Strasse zu ueberqueren. Nach ein bisschen schauen, wie das die Einheimischen machen und ein paar Anlaufversuchen gelingt es uns dann recht gut. Es kostet einfach etwas viel Vertrauen in die anderen Verkehrsteilnehmer, dass sie wirklich um einen herum fahren. Niemand haelt an. Die Ampel ist an manchen (nicht bei allen) Kreuzungen nur ein netter Farbtupfer, Einbahnstrassen interessieren auch nicht alle.
So erreichen wir irgendwann den Hoam Kiem See, das Herz der Altstadt mit dem Jadebergtempel. Hier werden drei Maenner verehrt: ein Mongolenbezwinger aus dem Mittelalter, der Schutzherr der Literatur und ein Patron der Aerzte (Krieg, Geist und Gesundheit: ist auch noch eine interessante Reihenfolge!). Wir schlendern durch die Altstadt, wo sich das Leben zum grossen Teil auf der Strasse abspielt; Kinder spielen, Familien essen auf Matten auf dem Trottoir, es wird auf der Strasse abgewaschen und man schaut im Vorbeigehen in Kuechen, Schlafzimmer und Wohnstuben hinein.
An der St. Josephs Kathedrale wird einmal mehr deutlich, was Kolonianismus bedeutet(e). Ein paar Jahrzehnte lang durften ja die Franzosen in Indochina als Kolonialherren auftreten (eben, "la grande nation" und so). Dabei vergassen sie auch nicht, ein paar Symbole der Macht zu installieren. In diesem Fall wurde eine grosse Kathedrale gebaut. Aber nicht irgendwo, sondern man liess die damals groesste und bedeutenste Pagode (religioeser Tempel) Hanois schleifen. Die Kirche im Dienste des Kolonialismus zur Demuetigung der Unterjochten!
In einem in-cafe nahe der Kathedrale, in das eher junge Leute einkehren, faellt mir ein interessantes Plakat auf. Es weist auf 2 wichtige Daten aus der juengeren vietnamesischen Geschichte hin, naemlich 1954, dem Sieg der vietnamesischen Befreiungsarmee ueber die franzoesischen Kolonialherren in der Schlacht bei Dienh Bin Puh und den Sieg des Vietcong ueber die Amerikaner 1975. Die meisten Gaeste des Cafes waren da wohl noch gar nicht auf der Welt.
Wir sind einmal mehr echte Glueckspilze. Noch nie haben wir in so kurer Zeit so oft Neujahr gefeiert. Diesmal ist es das vietnamesiche und hier heisst es Tet-Fest. Einigen ist das vietnamesiche Tet-Fest vielleicht im Zusammenhang mit der Tet-Offensive des Vietcong waehrend des Vietnamkrieges noch ein Begriff. 1968 startete der Vietcong eine breit angelegte Offensive, womit die Amerikaner immer mehr zurueckgedraengt wurden, bis ihr letzter Hubschrauber 1975 die amerikanische Botschaft in Saigon verliess. OK, soweit so gut mit Geschichte. Wir sind im Hanoi von 2009. Neben den Tet-Festlichkeiten zum vietnamesischen Neujahr besuchen wir den Literaturtempel, den ein vietnamesischer Kaiser 1070 zu ehren des Konfuzius errichten liess (die enge Verbundenheit mit China wird hier deutlich). Da aber eben das Neujahr gefeiert wird, ist der Tempel total ueberfuellt. Vietnam stand lange unter der Herrschaft der Chinesen, gleichzeitig sind viele Vietnamesen Buddhisten. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Buddhismus und Konfuzianismus. Dadurch sehen die Tempel hier etwas anders aus, als in Thailand und Laos, eben chinesisch beeinflusst.
Wer in Hanoi ist, sollte auch einen Ausflug in die Halong Bucht (was herabsteigender Drache heisst) unternehmen. Mit einer Art Dschunke fahren wir durch ein Gebiet, in dem ca. 3000 Kalksteinfelsen aus dem Wasser ragen. OK, es ist schon etwas touristisch, aber wir sind nur 7 Personen auf einem Schiff, auf dem 25 Platz haben. Die Kabinen sind zwar nicht besonders gross, dafuer sehr schoen und sauber, das Essen ist hervorragend und die vielen groesseren und kleineren Felsen sind einfach grandios. Zum Programm gehoert auch der Besuch einer schoenen Hoehle und eine Kajakfahrt bei Sonnenuntergang. Etwas fuer Romantiker.
Weniger ueberzeugt hat uns ein Tagesausflug zur Parfumpagode, eine der wichtigsten religioesen Tempel des Landes. Es sind eine Unmenge Menschen unterwegs. Wir fahren mit einem Bus (ca. 2 h) und einem kleinen Boot (ca. 1 h) wie Hunderte andere auch. Es ist allerdings weniger touristisch, wir sind fast die einzigen Weissnasen. Das wichtigste Heiligtum der Parfumpagode bekommen wir aber gar nicht zu Gesicht. Es sind einfach zu viele Menschen unterwegs. Nach einem etwa 45 minuetigen Aufstieg ist naemlich aus die Maus. Es waeren nur noch 500 Meter aber es geht nichts mehr voran. Etwas enttaeuscht schauen wir uns andere Heiligtuemer auf dem Areal an.
Am letzten Nachmittag besuchen wir die wunderschoene Vorstellung des Wasserpuppentheaters von Hanoi. In der aus einem Wasserbecken bestehenden Buehne werden vor allem Szenen aus dem Landleben dargestellt: z.B. ein Fischer oder ein Floetenspieler auf einem Bueffel. Dann aber auch Loewen, wasser- und feuerspeiende Drachen und andere Tiere. Das Ganze wird von einem vietnamesischem Folkloreorchester begleitet. Unbedingt sehenswert.
Am Donnerstag Abend fahren wir mit dem Nachtzug von Hanoi nach Hue. Es zieht uns nach Sueden, in die Waerme und bald mal wieder an einen Strand.
und hier noch mal ein Beispiel einer Strassenkreuzung in Hanoi
Donnerstag, 29. Januar 2009
24.1. - 28.1. Vientiane
Den naechsten Morgen verbringen wir mit fruehstuecken - hmm, feine Croissants, den Franzosen sei Dank - und Zimmersuche. Nach eineinhalb Stunden und etwa 10 Guesthouses und Hotels werden wir fuendig. Im Hotel Avalon in der Phnom Phen Road ist es sauber, es ist ruhig gelegen und doch sehr zentral und in den 40 Dollar ist neben dem Familienzimmer soviel Fruehstueck inbegriffen, wie man will (Croissants, Baguettes, Fruechte, Butter Marmelade).
Vientiane wirkt auf uns nicht ganz so gemuetlich und heimelig wie Luang Prabang. Das Zentrum ist aber uebersichtlich und hat seine Reize. Wir lassen uns Zeit fuer das bunte Treiben, die Wats und das Leben auf der Strasse.
Natuerlich stehen wieder ein paar Wats auf dem Programm aber nach so langer Zeit in Suedostasien muss es nicht mehr jeder Wat in der Stadt sein. In der Umgebung besuchen wir den Buddha-Park, etwa 20 Km suedlich vom Zentrum. Irgendein "Gelehrter" hat hier seine eigenen Vorstellungen von Buddhismus und Hinduismus zu etwas Neuem zusammengefuegt und eine Vielzahl entsprechender Skulpturen in Beton gegossen.
Vientiane wirkt auf uns nicht ganz so gemuetlich und heimelig wie Luang Prabang. Das Zentrum ist aber uebersichtlich und hat seine Reize. Wir lassen uns Zeit fuer das bunte Treiben, die Wats und das Leben auf der Strasse.
Natuerlich stehen wieder ein paar Wats auf dem Programm aber nach so langer Zeit in Suedostasien muss es nicht mehr jeder Wat in der Stadt sein. In der Umgebung besuchen wir den Buddha-Park, etwa 20 Km suedlich vom Zentrum. Irgendein "Gelehrter" hat hier seine eigenen Vorstellungen von Buddhismus und Hinduismus zu etwas Neuem zusammengefuegt und eine Vielzahl entsprechender Skulpturen in Beton gegossen.
Interessant ist dann noch der Patu Xay, Vientianes beruehmtestes Gebaeude, das an den Arc de Triomphe in Paris erinnert.
Am spannensten finde ich aber, dass z.Zt. gerade das chinesische Neujahr gefeiert wird. Bunt kostuemierte Taenzer und Trommler laufen von einem chinesischen Geschaeft oder Restaurant zum anderen durch die Strassen, vollfuehren Taenze oder zeigen Kung Fu - Einlagen. Zum Schluss wird jeweils ein Band, welches zuvor waehrend des Tanzes am Eingang befestigt wurde, wieder davon entfernt und dem Besitzer zugeworfen. Anscheinend kann dabei auch mal was schief gehen, da die Betreiber und Besitzer auf mich jedesmal recht nervoes wirken. Wird das Band aufgefangen, sind diese ganz heiter und erleichtert.
Irgendwann faellt uns ein, dass wir ja noch das Visum fuer Vietnam beantragen muessen. Also, ab in das naechste Reisebuero und siehe da - mal wieder sau maessig Glueck gehabt. Die vietnamesische Botschaft ist noch 2 Stunden geoeffnet und danach wegen der Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr die ganze naechste Woche geschlossen. Also dann, mit Eilantrag faehrt eine der Angestellten mit schnellem Moped zur vietnamesischen Botschaft, was uns allerdings 100 US-Dollar ("in God we trust" - jedesmal muss man dies lesen, wenn man dieses Geld in die Finger nimmt, eine Zumutung) pro Visum kostet.
Den Flug buchen wir gleich mit. Am 28.1. geht es mit Lao Airline weiter nach Hanoi.
Irgendwann faellt uns ein, dass wir ja noch das Visum fuer Vietnam beantragen muessen. Also, ab in das naechste Reisebuero und siehe da - mal wieder sau maessig Glueck gehabt. Die vietnamesische Botschaft ist noch 2 Stunden geoeffnet und danach wegen der Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr die ganze naechste Woche geschlossen. Also dann, mit Eilantrag faehrt eine der Angestellten mit schnellem Moped zur vietnamesischen Botschaft, was uns allerdings 100 US-Dollar ("in God we trust" - jedesmal muss man dies lesen, wenn man dieses Geld in die Finger nimmt, eine Zumutung) pro Visum kostet.
Den Flug buchen wir gleich mit. Am 28.1. geht es mit Lao Airline weiter nach Hanoi.
Abonnieren
Posts (Atom)